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Eigenanbau: Drahtseilakt zwischen Recht und Moral

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In den letzten Tagen ist vielleicht schon einigen von Euch der Name Andreas Butzmann begegnet.
Andreas ist 32 Jahre alt und kommt aus dem schönen Pfaffenhofen in Bayern.
Am liebsten geht er mit seinem Hund „Mo“ spazieren – dann wenn er schmerzfrei ist.

Bei ihm wurde im Alter von 22 Jahren eine heriditäre Neuropathie, kurz HNPP, diagnostiziert.
Bis das allerdings geschah, musste er so einige, im Nachhinein unnötige, Operationen über seinen Körper ergehen lassen.

Alles fing damit an, dass er während seiner Ausbildung merkte, dass seine Hände immer öfters während der Arbeit taub wurden und er Schmerzen hatte. Man diagnostizierte ein Kapaltunnelsyndrom. Andreas wurde deshalb zwei Mal operiert. Leider Vergebens, denn die Schmerzen und die tauben Hände waren immer noch da. Als neue Diagnose wurde dann das Sulcus-Ulnaris-Syndrom ausgemacht.
Was folgte war eine dritte OP. Doch auch nach dieser wurde es nicht besser.

Als dann eine weitere Operation folgen sollte, stoppte der damals behandelnde Neurologe alle Bestrebungen in diese Richtung. Er ordnete eine Blutuntersuchung an und testete gezielt auf HNPP. Leider bestätigte sich sein Verdacht.

Nach dieser Diagnose drängte die Krankenkasse darauf, dass Andreas Frührente beantragen sollte.
Die Rentenkasse machte es ihm aber nicht so einfach.

Sein Fall ging bis vor das Sozialgericht bevor seine Frührente bewilligt wurde.

In der Zwischenzeit versuchte man Andreas medikamentös einzustellen, um ihm die Schmerzen zu nehmen und die Symptome einigermaßen zu lindern. Es begann mit Valoron und Lyrika, welche aber starke Nebenwirkungen hatten. Dann setzten die Ärzte auf Buprenorphin. Dieses half, aber nur 2 ½ Jahre. Denn die Schmerzen kamen wieder und außerdem verlor Andreas sehr stark an Gewicht. Er hatte bei einer Körpergröße von 1,85 m nur noch 56 kg. Mit einer damaligen Freundin verbrachte er zu dieser Zeit einen Kurzurlaub in Amsterdam. Hier kehrte er auch in die weit über die Landesgrenzen der Niederlande bekannten Coffeeshops ein. Während dieses Kurzurlaubs hatte er keinerlei Schmerzen und vergaß darüber völlig das Wechseln seines Morphin-Schmerzpflasters. Er merkte es erst, als sein Körper mit Entzugserscheinungen rebellierte.

Wieder zu Hause angekommen brachte ihn dieser Amsterdam-Urlaub zum Grübeln. Er stellte fest dass die Schmerzen und Symptome weniger präsent waren, so lange er Cannabis konsumierte. Schon in der Jugend hatte Andreas erste Erfahrungen mit Cannabis gemacht.

Er besprach mit seiner Hausärztin das Festgestellte. Diese unterstütze ihn, eine alternative Therapie mit Cannabis auszuprobieren. Gemeinsam mit ihrer Hilfe stellte er den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung beim Bundesinstitut für Arzneimittel.

Seit Mai 2014 ist er im Besitz dieser Ausnahmegenehmigung.
Ende gut alles gut? Nein, natürlich nicht. Wir sind im cannaphoben Deutschland.
Durch die ständigen Lieferengpässe des Herstellers Bedrocan, sah sich Andreas gezwungen seine „Medizin“ selber anzubauen. Oft muss er wochenlang auf die Versorgung mit Cannabisblüten warten.
Irgendwann flogen dann die Männchen in grün, oder blau, also eben die Polizei, bei ihm ein und beschlagnahmte seine Pflanzen und Cannabisblüten in einer nicht geringen Menge.

Kürzlich kam es dann zu der Gerichtsverhandlung. Andreas wurde zu einer Bewährungsstrafe und 2000€ Bußgeld verurteilt.

Wenn man bedenkt, dass er bei einem Preis von 75€ für 5g Cannabis aus der Apotheke für dieses Geld Medizin für etwa 35 Tage kaufen könnte, erscheint dieses Urteil noch unsinniger. Er baute selber an, da er laut Ausnahmegenehmigung „als letztes Mittel“ auf die medizinische Versorgung mit Cannabis angewiesen war. Durch die ständigen Lieferengpässe und wochenlange Wartezeiten auf seine Medizin sah er sich in einer persönlichen Notlage.

Bei der Urteilsverkündung wurde Andreas, der übrigens Dreadlocks trägt, unterstellt, dass er sich zu einseitig auf eine Therapie mit Cannabis versteifen würde. Zu wenige Fachärzte hätte er besucht und zu wenige Meinungen eingeholt. Außerdem sprach der Richter bei der Urteilsverkündung an, dass er bereits drei Vorstrafen wegen Cannabis habe.

Bitte was!?! Hier ist ein nachweislich unheilbar kranker Mensch, der seine Medizin gefunden hat und ihm wird durch solch ein Argument doch unterstellt, dass er das alles nur machen würde, um Cannabis rauchen zu können. Lieber möchte man ihn nach drei sinnlosen operativen Eingriffen, nach dem Schicksalsschlag mit seiner unheilbaren Krankheit, dem Ärger mit der Kranken- und Rentenkasse, weiter zu Fachärzten schicken und Medikamente durchprobieren lassen als seien sie harmlose Smarties. Richtig. Der Eigenanbau in Deutschland ist (noch) nicht erlaubt. Die Verurteilung ist laut Gesetzeslage also korrekt. Dass sie im Hinblick auf Andreas Krankheit moralisch nicht richtig erscheint, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Die Krankenkassen und die Bundesregierung drängen Cannabispatienten wie ihn in die Kriminalität. Hätte er die Wahl, seine Medizin legal, gegen Rezept auf Kosten der Krankenkasse, ohne Lieferschwierigkeiten in der Apotheke zu erwerben, er würde es tun. Seine Vorstrafen wegen Cannabis aber in dieser Gerichtsverhandlung einzubringen, ist mehr als unangebracht. Cannabis ist seine Medizin! Sie hilft ihm nachweislich und ermöglicht es ihm, ein einigermaßen schmerz- und symptomfreies Leben zu führen.

Gegen das Urteil wird er nun Berufung einlegen. Wir drücken Andreas für seine Berufung alle Daumen, die wir haben. Außerdem hoffen wir für ihn, Günther Weiglein und alle anderen Cannabispatienten in Deutschland, dass die Bundesregierung, endlich in die Puschen kommt.

Quelle: www.graspirin.de

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